#24 Waitomo – Forgotten World Highway – Stratford

Abenteuertag in Neuseeland!! Heute ging es für uns unter Tage – in die WAITOMO CAVES um genau zu sein. Denn dort gibt es die Möglichkeit auf Loops, also auf den Schläuchen von LKW Reifen, über einen unterirdischen Fluss zu treiben – Blackwater Rafting nennt sich das ganze und ist hier in Aotearoa wohl ziemlich bekannt. Neben unserer Tour, dem „Black Labyrinth“, bei dem es sich auf den Fluss samt einiger Stromschnellen und Wasserfälle beschränkte, gibt es in Waitomo zudem die Möglichkeit die Höhlen kletternd, per Boot oder zu Fuß zu erkunden. Da Waitomo nicht sehr groß ist, erreichten wir den Startpunkt der Tour ziemlich schnell und konnten uns nach kurzer Wartezeit in ziemlich kalte und nasse Neoprenanzüge werfen – wahrscheinlich war gerade erst die Gruppe vor uns wiedergekommen.

Von oben bis unten eingepackt und zudem mit Gummistiefeln an den Füßen hieß es rein in den Bus und los zu einem kleinen Bach, an dessen Ufer wir zuerst einen Loop wählten, je nach Umfang des Hinterteils, und uns schließlich von einem Steg rückwärts ins Wasser fallen lassen sollten.

Kaaaalt, wie sollte das bloß erst unter der Erde werden… Doch dafür ging es erstmal wieder raus aus dem Wasser und rein in einen zweiten Bus, etwa hundert Meter bergauf und wieder raus – warum, weiß wohl nur der Busfahrer. Dort angekommen gab es eine kurze Einweisung in den „Human Eel“, bei welchem jeder die Füße des Hintermannes festhalten sollte und so eine zusammenhängende Kette von Loops entsteht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Anschließend stapften wir von dort einen kleinen Weg herunter bis wir plötzlich stehen bleiben sollten. Etwas überrascht sah ich erst auf den zweiten Blick den kleinen Höhleneingang, durch welchen wir nun hinabsteigen sollten. Etwas irritiert – man sah wirklich nichts beim Hineingucken – waren wir schließlich an der Reihe und stellten uns neben den Eingang.

Kletternd und ein wenig rutschend kamen wir schließlich ein paar Meter weiter unten in einem kleinen „Raum“ an und sammelten uns erst einmal wieder in unserer Gruppe. Eine kurze Einführung in die Helmlampen später ging es dann wirklich los.

 

Als erstes hieß es rücklings, flach auf den Loop legen und unter einem tief hängenden Felsen durch – aufrecht sitzend hätte nicht funktioniert – bis wir in einer größeren Höhle ankamen. Dort stellte sich jeder erstmal vor, Witze machen, weiter geht’s!

Rückwärts, mit dem Loop am Hintern, ließen wir uns auf selbigen von einem kleinen, nicht sehr hohen Wasserfall fallen. Lustig aber verdammt kalt, wenn einem eiskaltes Wasser über das Gesicht läuft. Auf dem Loop paddelten wir nun einige Zeit bis wir schließlich das Signal bekamen unsere Lichter auszuschalten. Erstens: Dunkel, verdammt dunkel! Zweites: WOW, verdammt wow… Tausende von blau leuchtenden Glühwürmchen hingen über uns an der Decke der Höhle, durch welche wir nun trieben – minutenlang! Fantastisch!! Dass es sich bei den Tierchen weniger um Glühwürmchen handelt, sondern um Larven einer Mückenart und sie nur aus Marketinggründen Glowworms genannt würden, da sich niemand Mückenlarven ansehen würde, das alles vergessen wir jetzt mal und gucken uns dieses tolle Leuchten in der sonst finsteren Höhle an!

Aber irgendwann gingen die Lichter wieder an und wir befanden uns in einer größeren Höhle in deren Mitte sich ein etwa zwei Meter hoher Wasserfall befand. Wohl wissend was kommen würde, bereitete ich mich auf den Rückwärtssprung vom Wasserfall vor… nichts da, diesmal wurde ohne Ring vom Wasserfall gesprungen! Tief ins kalte Wasser eintauchend sammelten wir uns alle an einem, an der Wand befestigten, Seil und krochen anschließend, einer nach dem anderen, unter dem Wasserfall hindurch, um auf dessen anderer Seite diesen wieder hochzuklettern. Puh, sehr anstrengend und nur zu schaffen wenn man das nötige Gewicht mitbringt um dem Wasserdruck standzuhalten. 😀 Und nachdem alle wieder oben angekommen waren kam es dann doch noch zu meiner Vorhersage… Loop an den Hinter und ab geht’s rückwärts vom zwei Meter hohen Wasserfall – platssssch – kaaaalt!! Tolle Erfahrung wenn man zudem bedenkt, dass die Höhle oberhalb des durch die Helmlampen beleuchteten Bereiches stockdunkel war!

Nachdem alle den Sprung gewagt und unten angekommen waren, dümpelten wir hintereinander durch die schmalen und breiteren Höhlenabschnitte und erreichten schließlich eine Stelle an der wir durch einen sehr engen Tunnel kriechen konnten, zumindest ist dieser ziemlich eng wenn man das nötige Gewicht mitbringt einem Wasserfall standzuhalten. 😀

Anschließen ging es wieder rauf auf die Loops und mit dem „Human Eel“ weiter, mit ausgeschalteten Leuchten. Ein Traum, wieviele Glowworms es wohl in diesem Tunnelsystem gibt und wieviele Tropfsteine an den Decken der teilweise viele Meter hohen, teilweise direkt über dem Kopf hängenden Decke zu finden sind. Sehr beeindruckt paddelten wir langsam und minutenland so über das tiefschwarze Wasser bis wir schließlich – viel zu früh – wieder Tageslicht erblickten.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Allein der Ausgang aus der Höhle, welcher den Anschein hatte sich tief in einem Regenwald zu befinden, war schon beeindruckend, genau wie die Tatsache, dass man diesen vom direkt daran vorbeigehenden Weg kaum wahrnehmen konnte. Die verdutzten Gesichter einiger Wanderer, als sie uns mit den Loop aus dem Nichts aufsteigen sahen, werde ich so schnell nicht vergessen, aber noch weniger die Erfahrung, auf einem unterirdischen Fluss durch ein stockdunkles Höhlensystem auf einem Loop gepaddelt zu sein!!

Vom Weg aus fiel schnell die Entscheidung den Rückweg schwimmend, auf einem diesmal oberirdischen Fluss zurückzulegen, auch diesmal wieder von zahlreichen irritierten Blicken einiger Wanderer begleitet. Nach ein paar hundert Metern befanden wir uns schließlich wieder am Ausgangspunkt, wo wir das erste Mal einen Ring aussuchen und testen sollten. Hier warteten wir sehnsüchtig, da ziemlich durchgefroren, auf den Bus zurück zu den Umkleiden – raus aus den Neoprenanzügen und ab unter die warme Dusche! Und anschließend hoch zum Café für eine Tomatensuppe und Bagels, was sonst nach einer Tour auf einem Loop. 😀

Nachdem wir uns wieder aufgewärmt und gestärkt hatten entschieden wir uns Richtung Taranaki aufzubrechen, der westlichsten Region der Nordinsel. Der Weg dorthin führte uns über den FORGOTTEN WORLD HIGHWAY, dessen Name wohl wirklich Programm ist! Dieser Highway war wirklich über lange Zeit nahezu vergessen, befindet sich auf seiner Strecke auch nahezu keine größere Ortschaft, bis zwei Freundinnen den Highway für sich entdeckten und eine Karte samt aller an ihm befindlichen Sehenswürdigkeiten erstellten und kostenlos zur Verfügung stellten.

Wir fuhren also zuerst von Waitomo bis Taumarunui und bogen dort auf den Highway 43 Richtung Stratford ab, besser bekannt als Forgotten World Highway, und man merkt sofort den Unterschied! Scheinbar ist hier echt wenig los und auch die Straße ist nicht mehr in dem Zustand, in welchem sie bis hierher noch war. Nach ein paar Kilometern weichen dann auch die letzten Häuser weiten Hügellandschaften voller grasender Schafe und Kühe. Dass es hier kurvige und mitunter auch steile Straßenabschnitte gibt, an welchen es auch schonmal zu Washouts kommt braucht eigentlich nicht erwähnt werden, gibt es solche Strecken doch im ganzen Land. Bei einem Washout kann übrigens auch mal eine ganze Fahrbahn fehlen und der Verkehr fließt über die verbliebene Spur, meistens ist aber nur ein Teil den Hang hinunter gerutscht, die betroffene Stelle wird sorgfältig durch einen Holzzaun abgesichert. 😀 Jedenfalls ist es hier wohl so einsam, dass Schafe die Flucht ergreifen wenn ein Auto an ihnen vorbei fährt, was sie im restlichen Land sonst nie tun, so ungewohnt scheint es für die armen hier zu sein. Allerdings wird die Strecke noch viel abenteuerlicher sobald man die TANGARAKAU GORGE erreicht. Hier führt die Straße 12 Kilometer über eine sehr schlechte und grob geschotterte Gravel Road, immer entlang des Flusses.

wpid-20151112_180936.jpg

Zum Glück kam uns lange weder jemand entgegen, noch versuchte uns ein Einheimischer zu überholen. Später wussten wir auch warum, trafen wir hinter einer weiteren von vielen Kurven auf eine Gruppe von auf der Straße stehenden Autos und einen Bus. Scheinbar war ein Camper diesem ausgewichen und seitlich den Schotter runter in einen Graben gerutscht. Zum Glück war dieser nur wenig tief und sie hatten den Van schon wieder auf die Straße geschoben als wir ankamen! Es muss ein komisches Gefühl sein hier mitten im Nichts ohne Handyempfang im Graben zu stecken, zum Glück sind sämtliche Kiwis sehr hilfsbereit! Wir konnten jedenfalls – noch vorsichtiger – weiterfahren, mit etwa 30 km/h im Schnitt. Wie man sich doch über Asphalt freuen kann, welcher nach einer Brücke beginnt. 😀 Nach ein paar angenehmeren Kilometern erreichten wir dann den MOKI TUNNEL oder im Volksmund auch HOBBIT’S HOLE genannt, einen einspurigen, und dafür schon recht langen Tunnel, welcher natürlich wieder nur in den Fels gehauen und durch eine Holzkonstruktion befestigt wurde. Ein komisches Gefühl hier hindurch zu fahren…

wpid-20151112_181552.jpg

wpid-20151112_181623.jpg

wpid-20151112_181634.jpg

wpid-20151112_181722.jpg

Wiederrum einige Kilometer weiter erreicht mam dann den Ort WHANGAMOMONA, eigentlich ist es mehr eine Ansammlung von wenigen Häusern, allerdings mit Geschichte. Denn 1989 riefen die Bewohner die Unabhängigkeit infolge einer geplanten Verwaltungsreform aus – die Gemeinde sollte zur Hälfte der Region Taranaki und zur Hälfte der Region Manawatu-Wanganui zugeordnet werden. Seitdem können Einheimische wie Touristen Staatsbürger der REPUBLIC OF WHANGAMOMONA werden und alle zwei Jahre zu den Feierlichkeiten der Unabhängigkeit eingeladen werden, tausendene kommen dann in den ansonsten wie eine Geisterstadt wirkenden Ort.

Uns war es hier jedoch viel zu einsam um länger zu verweilen, wir fuhren weiter, war es doch mittlerweile auch schon recht spät und wir wollten diesen Highway nicht auch noch bei Nacht erleben…

Wie bereits zu Beginn des Forgotten World Highways ging es nun wieder durch weite Hügellandschaften, vorbei an Schafen, Kühen, Ziegen, Truthähnen, Alpakas… bis wir schließlich im kleinen Städtchen STRATFORD ankamen – nur kurz zur i-site und ab zum Campingplatz. Auf dem STRATFORD TOP TOWN HOLIDAY PARK traf ich dann beim Check-In auf die skurrile aber sehr nette Dame mit ihrer Sammelleidenschaft. Porzellan! Ohne Ende Tassen, Teller, Becher… und allesamt mit royalen Motiven. Aus meiner beiläufigen Bemerkung, dass sie aber eine wirklich große Sammlung hätte entwickelte sich ein längeres Gespräch – sie muss mein great wohl als großartig und weniger als groß verstanden haben, falsche Wortwahl meinerseits an dieser Stelle. Jedenfalls kamen wir von Charles und Camilla, erst gerade aus dem benachbarten New Plymouth abgereist, bis zu einer deutschen Prinzessin in England… als Nicht-Bunte-Leser hörte es bei mir dann auf. 😀 Ich verließ also die Rezeption wieder und wir fielen ins Bett – anstrengender Tag!

P.S.: Wenn einem in Neuseeland auf fünf Kilometern ganze elf (!) Milchtankwagen samt Anhänger entgegenkommen liegt hinter einem wahrscheinlich eine Molkerei!! 😀 So bereits gestern auf dem Weg nach Waitomo erlebt.

Ein Gedanke zu “#24 Waitomo – Forgotten World Highway – Stratford

  1. Sooo leider hat es jetzt eine Woche gebraucht diesen Artikel zu schreiben, der Tag war einfach zu lang und wir haben seitdem auch wieder viel erlebt. Aber jetzt ist der bisher längste Blog-Eintrag online, also viel Spaß mit diesem Marathon-Artikel. 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s