#66 Christchurch

Heiligabend in Neuseeland ist nicht wie Heiligabend in Deutschland, ist es doch weder kalt und nass, noch kann in irgendeiner Weise eine Art von Gemütlich- und Besinnlichkeit aufkommen. Dazu kommt, dass die Kiwis, wie die meisten Regionen britischen Einflusses, erst am folgenden Weihnachtstag feiern. Heiligabend in Christchurch ist somit ein ganz normaler Tag oder zumindest fast. Wir fanden es ganz passend den heutigen Tag mit einer Stadtführung zu beginnen, welche jedoch nicht kommerziell sondern von einem jungen Kiwi durchgeführt wurde. Vom Treffpunkt auf dem CATHEDRAL SQUARE sollte es einmal kreuz und quer durch die Innenstadt gehen, inklusive sämtlicher bekannter Attraktionen, aber auch mit einigen eher unbekannten Adressen Christchurchs. Schon beim Treffen erwartet einen jedoch wieder der traurige Anblick der zerstörten Kathedrale.

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Die ab 1864 im neugotischen Stil erbaute Kirche wurde vom britischen Architekten SIR GEORGE GILBERT SCOTT entworfen, welcher ebenfalls für den Bahnhof St Pancras in London und die im Krieg zerstörte Nikolaikirche in Hamburg verantwortlich war. Mehrere Male war der Kirchturm bei Erdbeben bereits eingestürzt, ehe bei den Beben von 2010 und 2011 nun die gesamte Kirche Schaden nahm. Die Tragfähigkeit des Bauwerks wurde dabei so sehr geschwächt, dass Stahlträger von außen das Gebäude stabilisieren sollten. Ironischerweise sollte ebendiese genau das Gegenteil bewirken als bei den Nachbeben von 2011 die Stahlkonstruktion in das Gebäude drückte und dabei die Fensterrose der Giebelfront zerstörte.

Vom Cathedral Square ging es anschließend weiter zur RE:START MALL, ehe wir an der BRIDGE OF REMEMBRANCE Station machten, einem Kriegerdenkmal des ersten und zweiten Weltkrieges, aber auch weiterer Konflikte.

Am benachbarten Ufer des AVON RIVERS konnten wir anschließend einige Kunstwerke betrachten ehe es durch die HEREFORD STREET zum BOTANISCHEN GARTEN ging. Direkt nebenan liegen zudem das CANTERBURY MUSEUM und das CHRISTCHURCH ARTS CENTER, quasi das kulturelle Zentrum der Stadt.

Über den WORCESTER BOULEVARD erreicht man zudem schnell die CHRISTCHURCH ART GALLERY – TE PUNA O WAIWHETU, welche gerade erst wiedereröffnet wurde. Generell kann man hier in Christchurch wohl zugucken wie ein Geschäft, Museum, Park oder Wohnhaus nach dem anderen neu- oder wiedereröffnet wird. Jedoch wird die letzte Lücke wohl erst in Jahren, wenn nicht Jahrzehnten geschlossen werden und das Leben zurück in die Innenstadt kehren können.

Vorbei am Gebäude des CHRISTCHURCH CITY COUNCILS ging’s anschließend zurück zum Avon River und nach einem kurzen Halt in einem Park an dessen Ufer auch direkt weiter Richtung Osten.

Dabei kommt man unweigerlich am GAP FILLER DANCE-O-MAT vorbei, welcher aus einer umgebauten Waschmaschine und einer Tanzfläche besteht. Jeder kann hier seine eigene Musik abspielen und mit anderen tanzen. Und nicht nur diesen Lückenfüller kann man in Christchurch finden, gibt es doch auch noch Pop-Up Parks, Kunst und jede Menge sehr detaillierter Graffitis. Die Kiwis machen hier aus der Not eine Tugend und leben ihre Kreativität für das Erscheinungsbild der Stadt aus.

Der nächste Halt war die uns bereits bekannte NEW REGENT STREET, gefolgt von der CATHEDRAL JUNCTION, in welcher sich Geschäfte, Restaurants, Cafés, ein Hotel und einiges mehr befinden. Und der Name verrät zudem die eigentliche Nutzung der gläsernen Halle. Ein Abzweig der Tram befindet sich mitten im Gebäude – schöne Kulisse!

Einmal die Straße überquert, trifft man zudem auf die TRINITY CONGREGATIONAL CHURCH, welche bei den Erdbeben ebenfalls stark beschädigt wurde, jedoch mit modernen Elementen wiederaufgebaut und mit benachbarten Gebäuden verbunden werden soll.

Von der MANCHESTER STREET gelangt man fortan über die HEREFORD STREET bis zur TRANSITIONAL CATHEDRAL, welche im Volksmund auch CARDBOARD CATHEDRAL genannt wird. Den Grund dafür findet man in der Bauweise dieses provisorischen und die eigentliche Kathedrale ersetzenden Gebäudes. Der japanische Architekt SHIGERU BAN entwarf hier eine schnell zu errichtende Kirche ganz aus Stahl und Pappe, wobei das Fundament aus Seecontainern besteht und das Dach von 96 Meter langen Pappröhren gestützt wird. Diese wurden jedoch versteckt mit einem Stahlkern verstärkt. Ab 2012 gebaut, soll die Cardboard Cathedral etwa 50 Jahre bestehen bleiben und, nachdem die eigentliche Kathedrale wieder aufgebaut ist, die vor dem Beben an diesem Ort stehende Johanneskirche ersetzen.

An der Kreuzung von MADRAS STREET und CASHEL STREET befand sich vor dem Beben zudem das Gebäude von Canterbury Television, dessen Einsturz 115 Opfer zur Folge hatte. Es wurde zum Symbol des Erdbebens und der Ort als Mahnmal nicht mehr bebaut. Wie eine Art Ground-Zero liegt der Platz vor einem – komisches Gefühl. 😦 Zudem gibt es mit der Kunstinstallation „185 CHAIRS“ direkt gegenüber eine weitere Gedenkstätte. 185 leere, weiße Stühle für 185 Opfer der Erdbeben.

An der Stelle der ehemaligen CITY MALL (Kreuzung von High Street und Cashel Street) endete unsere Führung anschließend. An dem Ort, an welchem zur Zeit am meisten gebaut wird, werden in den nächsten Jahren die modernsten Gebäude der Stadt zu finden sein, allesamt aus Glas und Stahl errichtet.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Guide rief es uns zurück zur Re:Start Mall, Pancakes essen! 🙂 Und nach einer kleinen Runde durch selbige, ging es erstmal zurück zum Hostel um ein wenig zu entspannen, ehe wir uns gegen Nachmittag mit dem Bus Richtung THE PALMS begaben.

Im Shoppingcenter nordöstlich der Innenstadt wollten wir ein letztes Mal einen Kathmandu-Store besuchen, ehe wir über die hochmoderne BUS INTERCHANGE zurück in die Innenstadt fuhren und uns gegen Abend erneut im Hostel einfanden.

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Heiligabend in Christchurch ist wie erwähnt anders. Für uns bedeutete dies, dass wir uns im Hostel gemütlich einen leckeren Nudelsalat machten und anschließend den Abend im Rosengarten verbrachten. Was gibt es denn besseres als an Weihnachten im Botanischen Garten zwischen blühenden Pflanzen zu sitzen.

Aber die Mitternachtsmesse in der Cardboard Cathedral wollten wir uns auch nicht entgehen lassen. Beginnend mit einem gemeinsamen Singen von englischen Weihnachtsliedern kam dann doch noch Weihnachtsstimmung auf – bei uns und 700 Kiwis, wovon einer doch glatt seine Kerze neben mir fallen lies. Feuer in einer Pappkathedrale – passt nicht so wirklich. Schöner Abend! 🙂

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