#70 Rückflug

Abschiedsstimmung in Christchurch – Bereits um 6 Uhr morgens standen wir auf, um gegen halb acht vom Shuttlebus abgeholt zu werden, welcher uns wiederum zum Flughafen brachte. Zur Begrüßung gab es einen freundlichen Satz, welcher sich nach „Oh, I care!“ anhörte. Erst nach einem kurzen Moment des Nachdenkens und seinem Blick zu unseren, in blau-gelben Plastiktaschen verpackten Rucksäcken folgend, wurde aus diesem Satz „Oh, IKEA!“ Am anderen Ende der Welt, wo es keine der uns in Europa bekannten Marken gibt, erwartet man nicht, dass ein Kiwi selbige kennt. Im Eiltempo und noch weitere Mitfahrer abholend, fuhr er uns anschließend aber bis vor die Tür des Flughafens, immer vorbei an zahlreichen nach dem Erdbeben in Schnellbauweise errichteten Häusern. Diese sind zwar außen verputzt, weisen jedoch Nahtstellen auf und sehen daher aus, als wären sie ebenfalls aus Schiffscontainern errichtet worden.

Hatte uns der Fahrer des Shuttlebusses schon gefragt, ob wir etwa Backsteine in unseren Rucksäcken hätten, waren wir an der Flughafenwage doch nun auch selbst überrascht. Sollten die vielen kleinen Steine von den zahlreichen Stränden etwa doch mehr wiegen als erwartet? 😀 Glücklicherweise mit reichlich Freigepäck ausgestattet, konnten wir den folgenden Check-In aber schnell hinter uns bringen, ehe auch die Kontrolle der wie immer freundlichen Security-Kiwis kein Problem darstellte. Mittlerweile war das Fliegen fast schon unsere leichteste Übung, sollten wir doch wieder in Deutschland angekommen beide zusammen zehn Flüge in drei Monaten absolviert haben. Für die Strecke nach Singapur mussten wir uns nun jedoch wieder trennen, hatte ich doch noch einen Zwischenstop in Auckland, ehe wir uns auf dem asiatischen Kontinent wiedertreffen wollten.

Mit einem vergleichsweise kleinen Flieger, welcher für Kiwis scheinbar die beste Methode ist im Land umherzureisen, ging es für mich fortan entlang der Südalpen gen Norden. Wow, was für eine tolle Aussicht. Ein dichter Wolkenteppich erstreckte sich bis zu den Gipfeln der höchsten Berge des Landes. Aotearoa – Land der langen weißen Wolke!

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Unter dem Wolkenteppich musste sich dabei wohl die Weite der Canterbury-Ebene verstecken, denn plötzlich endete diese, an die vielen Millionen Schafe erinnernde Wolkenschicht und eröffnete uns einen fantastischen Blick über das Hinterland Kaikouras bis hin zu den Marlborough-Sounds.

Nach der nun folgenden Cook-Strait erreichten wir anschließend ziemlich schnell den Grund dafür, dass ich mir vorab einen Platz auf der linken Seite des Flugzeugs reservierte – neben den hinter uns gelassenen Südalpen natürlich. Ohne eine ihn umgebende oder gar verhüllende Wolke lag nun Taranaki vor uns, dieser so perfekt geformte Vulkankegel im Westen der Nordinsel, welcher uns vor ein paar Wochen schon so gut gefallen hatte. Dass wir dabei wohl großes Glück hatten wurde mir nun, wenige tausend Meter über der Spitze Taranakis, erneut bewusst. Die neben mir sitzenden Neuseeländer – eine Rentnerin und ein junger Kiwi – waren fast perplex, was sie doch für einen schönen Berg hätten. Ich musste ihnen auf Nachfrage doch tatsächlich erst erklären, dass es sich hierbei um Taranaki handelte, woraufhin sie wiederum ungläubig diskutierten, ob dies nun wirklich stimmen würde. Regelmäßig würden sie diese Strecke fliegen, noch nie hätten sie dabei aber diesen tollen Vulkan erblicken können, meistens wäre hier nur eine dichte Wolkenschicht zu sehen gewesen. Wir aber hatten also Glück und konnten Taranaki von gleich mehreren Seiten und teilweise komplett ohne Bewölkung bestaunen.

Und nachdem ich für den jüngeren der Beiden noch ein paar Fotos vom Vulkan gemacht hatte, erreichten wir auch bald schon Auckland. Immer wieder faszinierend ist die Tatsache, dass in Neuseeland wirklich jeder einfach nur freundlich zu sein scheint, so auch der jeden grüßende Flugzeugeinweiser auf dem Rollfeld des größten Flughafen des Landes.

Um in Auckland von einem Inlandsflug auf einen internationalen Flieger zu wechseln, muss man auch das Flughafengebäude wechseln. Also raus aus dem Inlandsterminal und ein paar hundert Meter zu Fuß zum benachbarten internationalen Terminal laufen. Deutlich wärmer als zuvor auf der Südinsel, zeigte sich Auckland im neuseeländischen Sommer von seiner besten Seite. Und ein bisschen frische Luft vor den nun folgenden Langstreckenflügen nach Singapur und Frankfurt konnte auch nicht schaden.

Im anderen Terminal angekommen, die letzten Postkarten geschrieben und erneut die Sicherheitskontrolle bewältigt, gab es schließlich noch einen kleinen Snack, ehe es auch schon auf den langen Weg zum Gate ging. Dieser war dabei wohl nur deshalb so lang, da sich die Gates für A380-Flieger am äußersten Ende des Terminals befanden. Wow, dass dieser Riesenvogel überhaupt fliegen kann grenzt an ein Wunder. 😀

Am Gate erwarten einen anschließend gleich zwei Türen, hinter welchen sich zwei Fluggastbrücken verbargen – für die beiden Etagen des A380. Eine Treppe im Flugzeug zu benutzen, tausende Meter über der Erde, ist schon ein komisches Gefühl, aber lustig ist es natürlich auch! Der gesamte Flieger war zudem dezent weihnachtlich dekoriert, was auch der Schwedin neben mir gefiel, welche ihren vor einigen Jahren nach Neuseeland ausgewanderten Sohn besucht hatte und sich nun ebenfalls auf den langen Rückflug einstellte.

Wieder die lange Zeit über den roten Kontinent Australien fliegend, erreichten wir nach einigen Stunden des Filmeguckens und ein paar Extrarunden über der Stadt endlich Singapur. Glücklicherweise war es hier nun nicht ganz so drückend heiß wie noch auf dem Hinflug, es war sogar recht angenehm. Und nachdem wir uns wiedergetroffen hatten, machten wir uns auf, zu einer großen Runde durch die drei endlos erscheinenden Terminals. Während wir jedoch so durch eines der selbigen schlenderten, mussten wir plötzlich schockiert feststellen, dass unser Anschlussflug scheinbar gecancelt wurde. Erst nach einigen Minuten und zurück an unserem Ausgangsterminal angekommen, stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem gecancelten Flieger zwar auch um einen Flug nach Frankfurt der selben Airline handelte, dieser jedoch von einem anderen Terminal aus startete. Puh, Glück gehabt, Anfängerfehler. 😀 Eine Nacht auf dem Changi Airport mag ja vielleicht noch zu den angenehmsten Flughafenübernachtungen gehören, wir konnten jedoch getrost darauf verzichten. Nach kurzer Zeit startete für uns schließlich das Boarding zum letzten Flug unserer Reise – glücklich, aber auch nur mit mäßiger Vorfreude zugleich.

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Der nun folgende Flug über den Golf von Bengalen, Indien, das Kaspische und das Schwarze Meer verlief dabei ähnlich ruhig wie schon der Flug zuvor. Der A380 ist schon ein sehr angenehmer Flieger und vor allem deutlich angenehmer als manch anderer Riesenvögel. Und nachdem man auch die östlichen Länder Europas hinter sich gelassen, man über Passau die deutsche Grenze überflogen hat und langsam in den Sinkflug übergegangen ist, kann man das Ausmaß der sich nun unter einem erstreckenden Zivilisation kaum begreifen. Nach Monaten in einem Land mit nur wenigen Einwohnern, ist der Anblick der zahlreichen Lichter des nächtlichen Süddeutschlands wunderschön und ungewohnt zugleich. Einzig der Lichtsmok lässt einen doch ein wenig nachdenklich werden. In Neuseeland war die Umweltverschmutzung sowohl der Luft, als auch durch Licht deutlich geringer.

Nach 32 Stunden in der Luft und an den Flughäfen von Auckland und Singapur, landeten wir schließlich sicher in Frankfurt – schönes Gefühl wieder zu Hause zu sein! Nur noch gefühlte Kilometer zur erneuten Sicherheitskontrolle und zur Gepäckausgabe wandern und schon waren wir raus aus dem Flughafen und saßen während des Sonnenaufgangs im Shuttlebus zum Hotel, wo wir uns ein fantastisches Frühstücksbuffet gönnten. Brot, Wurst, Käse, Camembert – wow, wie unglaublich gut vor allem das deutsche Brot nach so langer Zeit einfach ist! 🙂 Aber natürlich gab es dazu auch ein Glas leckeren Orangensaft – wie in Neuseeland!

2 Gedanken zu “#70 Rückflug

  1. Na , herzlich Willkommen wieder daheim! Ihr werdet euch immer wieder an diese schöne Zeit erinneren und die Erinnerungen trägt man im Herzen. Wenn der deutsche Alltag grau sein sollte, werdet ihr an all die tollen Momente denken und schon ist gute Laune wieder da. Ging mir damals auch so! Liebe Grüße aus Berlin, Eva

    1. Vielen Dank! Besser kann man die Zeit nach Neuseeland eigentlich gar nicht beschreiben. Gerade die erste Zeit war voller Fernweh, mittlerweile freut man sich einfach total über das erlebte. Aber es wird definitiv nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir Neuseeland besuchen – spätestens wenn Christchurch wieder komplett aufgebaut ist werden wir wieder da sein! 🙂
      Schöne Grüße zurück nach Berlin (besser spät als nie 😀 )

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