Sehenswerte Architektur in Neuseeland

Dass Neuseeland nicht nur eine fantastische Natur, sondern auch einige wirklich sehenswerte Bauwerke zu bieten hat, war mir vor der Reise nicht klar. Neben den Orten, in denen man besondere Architektur am ehesten erwartet (Auckland, Christchurch, Wellington), überraschten uns aber auch kleinere wie New Plymouth oder Dunedin mit teilweise preisgekrönten Bauten. Die folgende Auflistung ist nicht nach Favoriten, sondern alphabetisch nach Orten sortiert – praktischerweise findet sich die Toi o Tāmaki – Auckland Art Gallery (mein Lieblingsgebäude) auch so auf dem ersten Platz wieder. 😀

Auckland
Toi o Tāmaki – Auckland Art Gallery

Ein sehr schönes Beispiel des Bauens im Bestand. Das alte, hell verputzte Gebäude von 1887 wurde im Renaissance-Stil erbaut und gehört heute zum architektonischen Erbe Neuseelands. Daran anschließend ersetzte der zwischen 2007 und 2011 gebaute Neubau einen zu klein gewordenen und wenig repräsentativen Vorgängerbau. Er greift dabei sowohl die Gestalt des Altbaus durch eine helle Außenwandverkleidung im Sockelbereich, wie auch den direkt angrenzenden Albert Park durch die Verwendung von dort vorkommenden, einheimischen Kauri-Hölzern im Dach- und Stützenbereich auf. Die einzelnen Dachteile wirken dabei wie die Bäume des Parks und geben somit ebenso die Verbundenheit der Kiwis zur Natur wieder. Durch eine große, umlaufende Glasfassade werden zudem helle Eingangs- und Ausstellungsräume geschaffen, welche sich bis in den Altbau hinein fortsetzen. In diesem wurden das Fußbodenniveau vor allem im Obergeschoss angepasst, wodurch sich heute ein barrierefreies Gebäude ergibt.

Die Toi o Tāmaki – Auckland Art Gallery wurde beim World Architecture Festival 2013 als Gebäude des Jahres ausgezeichnet.


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Auckland
Customhouse

Repräsentatives ehemaliges Zollgebäude in Hafennähe, welches ebenfalls zum architektonischen Erbe Neuseelands gehört. Heute steht es leider im Schatten der benachbarten Bürohochhäuser und wird leicht übersehen.


Auckland
Grafton Gully Cycleway
U.a. unter der Brücke der Wellesley St

Der im Jahr 2014 eröffnete Fahrradweg verläuft entlang des Northwestern Motorways zwischen der Upper Queen Street und dem Beach Road Cycleway. Das Teilstück des Northwestern Cycleways ist zwischen drei und vier Meter breit, nachts beleuchtet und weist eine moderne Gestaltung auf. Unter der Wellesley Street wurden zum Beispiel typische Symbole der Māori in moderner Form umgesetzt, während Anfang, Ende und Kreuzungsbereiche des Radwegs besonders gekennzeichnet werden.


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Auckland
The Red Fence

Der mit Ornamenten verzierte Eisenzaun wurde zwischen 1913 und 1923 erbaut und umgibt den Queens Wharf, einen Teil des Aucklander Hafens. Dabei wurden die einzelnen Teile in Manchester vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt. Die Laternen erleuchteten zum ersten Mal am 12. März 1914 die Quay Street, 2002 wurde der Zaun restauriert.


Auckland
Iron Bank

Das Geschäfts- und Bürogebäude mit integriertem, automatisierten Parkhaus passt sich auf der K‘ Road der benachbarten Bebauung in moderner Form sowohl im Aussehen wie auch der Nutzung an, während es sich auf der Rückseite zum modernen Bürobau in Containeroptik entwickelt. Das 2009 realisierte Gebäude besteht aus fünf einzelnen „Conatinertürmen“ und gilt als ökologisch nachhaltig gebaut. Diese „Container“ sind an ihren Enden vollverglast und bieten einen weiten Ausblick über den Süden Aucklands, während sie ansonsten komplett in Rostoptik verkleidet sind und nur wenige Öffnungen aufweisen.

Die Iron Bank wurde mit zahlreichen Preisen bedacht, wobei der zweite Platz beim World Architecture Festival heraussticht.


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Auckland
Central Fire Station

Das Art Déco Gebäude von 1944 ist eine der drei größten neuseeländischen Feuerwachen und noch immer in Betrieb. Auf einer Straßenecke gelegen gibt es den Stolz der Aucklander Feuerwehr wieder.


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Auckland
22 Princes St,

Der 54 Meter hohe Turm aus neuseeländischem Kalkstein wurde in den 1920er Jahren erbaut und ist das Wahrzeichen der University of Auckland.


Auckland
The Cloud
Queen’s Wharf,

Das bis zu 6000 Besucher fassende Veranstaltungsgebäude wurde für den Rugby World Cup 2011 errichtet und gilt als temporäres und wiederverwendbares Gebäude. Dies beruht auf der simplen aber einfallsreichen Konstruktion, was die Lebensweise der Kiwis widerspiegelt. Durch die sich wiederholenden, geschwungenen Dachträger ergibt sich eine dynamische Form welche tatsächlich an eine Wolke erinnert. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Elemente nur durch die verschieden hohen Stützen der ansonsten identischen Dachträger, welche zuletzt mit einer textilen Membran bespannt wurden. Dabei wurde großer Wert auf eine nachhaltige Bauweise gelegt, was sich besonders in den Bereichen Dauerhaftigkeit in Meeresnähe, Kostensenkung durch geringe Wartung und Flexibilität durch einen möglichen Standortwechsel zeigt.


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Auckland
Ferry Building

Das 1912 fertiggestellte Gebäude aus Sandstein und Ziegel wurde auf neu gewonnenem Land errichtet und zählt zum architektonischen Erbe Neuseelands. Es gilt auch heute noch als Fährterminal Aucklands, obwohl sich der tägliche Betrieb eher auf die davor neu errichteten Anlegestellen und Gebäude verteilt. Zwischen 1985 und 1988 wurde das Ferry Building aufwendig saniert.


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Auckland
Britomart Transport Centre (ehem. Hauptpostamt)
8-10 Queen St, Auckland, 1010

Das zwischen 1912 und 1988 als Hauptpostamt genutzte Gebäude an der Lower Queen Street befindet sich in Hafennähe und wurde ab 2001 zwei Jahre lang zum neuen Hauptbahnhof Aucklands umgebaut. Die Gleisanlagen befinden sich dabei unterirdisch hinter dem als Empfangsgebäude genutzten Hauptpostamt. An dieser Stelle befand sich bereits früher ein Aucklander Bahnhof. Der Baustil wird als Edwardianischer Barock bezeichnet, was sich in der Fassadengestaltung widerspiegelt, welche aus Oamaru-Sandstein und Coromandel-Granit besteht. Der Name des heutigen Bahnhofs stammt vom ehemaligen Point Britomart, einer Landzunge, welche durch Landgewinnungsmaßnahmen verschwand. (Momentan wird das Gebäude aufgrund der Erweiterung des Schienennetzes einem Umbau unterzogen -> City Rail Link)


Auckland
Auckland War Memorial Museum

Das im Auckland Domain Park gelegene Gebäude beheimatet das älteste Museum Neuseelands und dient gleichzeitig dem Gedenken der Opfer des Ersten Weltkriegs. Der Entwurf des 1929 eröffneten Bauwerks im neoklassizistischen Stil beruht dabei auf einem weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb, welchen jedoch ein Büro aus Auckland gewann. Natürlich gehört auch dieses Exemplar zum architektonischen Erbe Neuseelands. Zudem wurde das ursprüngliche, auf den Fotos dargestellte, Gebäude zweimal erweitert. In den späten 50er Jahren wurde es zuerst um einen halbrunden Innenhof ergänzt, welche im Jahr 2006 durch einen neuen Trackt gänzlich umschlossen wurde.


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Auckland
Devonport Library

Im Jahr 2015 eröffnet, zeigt sich die Bibliothek nach außen hin als einladendes Gebäude und im Inneren als überraschend hell für ein Gebäude dieser Nutzung. In Materialität, Höhe und die Teilung in einzelne Gebäudevolumen nimmt sie Bezug auf den umgebenden Park mit seinem alten einheimischen Baumbestand. Die Verbindung von Holz, Glas, Stahl und Beton spiegelt den aktuellen Trend, nicht nur in der neuseeländischen Architektur, wider.


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Bluff
Leuchtturm
33 Ward Parade, Bluff 9814

Ein ungewöhnlicher, oktagonaler Leuchtturm aus Beton mit geringer Höhe aus dem Jahr 1912, welcher einen der südlichsten Orte Neuseelands darstellt.


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Cape Egmont
Leuchtturm

Ein 20 Meter hoher, runder und eiserner Leuchtturm, welcher 1865 zuerst auf Mana Island in der Cook Strait vor Porirua errichtet und dort 1877 abgebaut und zum Cape Egmont gebracht wurde, weil Licht sein am alten Standort zu ähnlich mit einem benachbarten Leuchtfeuer war. Das erste Mal erstrahlte er dort jedoch erst 1881. Im Jahr 1986 wurde er automatisiert. Durch seine Lage vor dem Taranaki-Vulkan ist er ein besonderes Fotomotiv.


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Cape Palliser
Leuchtturm
3763 Cape Palliser Rd, Mangatoetoe, Cape Palliser 5772
(wir haben gegenüber von „3463 Cape Palliser Rd“ geparkt und sind zu Fuß Richtung Leuchtturm gegangen)

Der wunderschöne, klassisch rot-weiße Leuchtturm selbst weist eine Höhe von 18 Metern auf, sein Leuchtfeuer befindet sich jedoch beeindruckende 78 Meter über dem Meeresspiegel. Er wurde in Wellington aus Eisen vorgefertigt und zuletzt 2015 neu gestrichen, während ganze 258 Stufen die Klippe hinauf bis zum Leuchtturm führen. Im Jahr 1897 erstrahlte er zum ersten Mal nachdem es zahlreiche Schiffshavarien gab, 1986 wurde auch er automatisiert.


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Cape Reinga
Leuchtturm

Der 10 Meter hohe, oktagonale Betonturm wurde bis 1941 auf dem 155 Meter hohen Cape Reinga erbaut und steht somit am Zusammenfluss von Tasmannsee und Pazifik, einem der nördlichsten Punkte Neuseelands. 1987 automatisiert wird der benötigte Strom seit dem Jahr 2000 durch eine Photovoltaik direkt am Leuchtturm erzeugt.


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Castlepoint
Leuchtturm
126 Jetty Rd, Castlepoint 5889

Der eiserne, 23 Meter hohe und runde Leuchtturm wurde in Wellington vorgefertigt und ist seit 1913 in Betrieb. Er befindet sich auf den Klippen einer kleinen Halbinsel und wurde 1988 automatisiert.


Christchurch
Re:Start Mall (nur noch für kurze Zeit)
78/92 Cashel St, Christchurch Central, Christchurch 8011

Die Re:Start Mall entstand infolge der dramatischen Erdbeben und der Zerstörung von Christchurchs Innenstadt und dem dadurch folgenden Mangel an Verkaufsflächen. Ursprünglich nur vorübergehend geplant, schließt sie nun erst in diesem Jahr um Platz für neue Bauprojekte der selben Nutzung zu schaffen. An ihrem Standort hatte vor dem Erdbeben die City Mall gestanden, das ehemalige Herz der Innenstadt. Die Re:Start Mall besteht aus alten, umgebauten Schiffscontainern, welche bunt bemalt auch ein Zeichen des Aufbruchs setzen sollten. Container wurden zu dieser Zeit zudem als Notunterkünfte und als Hangsicherung genutzt, was mal wieder den Einfallsreichtum der Kiwis zeigt. Außerdem galten sie im Hinblick auf mögliche Nachbeben als stabil und flexibel genug um diesen standzuhalten. Außerdem konnte sie so im Jahr 2014 leicht umziehen – etwa die Hälfte der Shops musste und konnte aufgrund von bevorstehenden Baumaßnahmen am alten Standort die Straßenseite in nur 10 Tagen wechseln.


Christchurch
Bus Interchange
658 Colombo St, Christchurch Central, Christchurch 8011

Das 2015 eröffnete Gebäude dient als zentraler Busbahnhof und ist eines der ersten fertiggestellten Projekte des „neuen“ Christchurchs. Hier können bis zu 16 Busse gleichzeitig auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche abgefertigt werden. Die Bus-Buchten sind zudem mit automatisierten Türen ausgestattet, wie es auch bei einigen U-Bahnen der Fall ist, was ein Plus an Sicherheit darstellt und eine bessere Klimatisierung des Innenraums erlaubt. Außerdem befand sich während unseres Aufenthalts ein kleines Café im Gebäude, weitere kleine Läden sollten folgen. Wie bei vielen Neubauten in Neuseeland findet man auch hier wieder zahlreiche Māori-Verzierungen.


Christchurch
Transitional Cathedral / Cardboard Cathedral
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Die Cardboard Cathedral wurde vom japanischen Architekten Shigeru Ban entworfen, welcher für seine provisorischen Gebäude in Katastrophengebieten bekannt geworden ist. Durch die Zerstörung der Christchurch Cathedral während der schweren Erdbeben 2010 und 2011 galt es einen günstigen Ersatzbau in kurzer Zeit zu errichten. Wie schon bei vorangegangenen Projekten setzte Ban auch hier auf Karton als zentrales Material. Das 24 Meter hohe Gebäude besteht aus 96 Kartonröhren (mit wasserdichtem Polyurethan und Flammschutzmittel behandelt), in welchen sich zudem Holzträger befinden. Die Röhren haben einen Durchmesser von 60 Zentimetern und befinden sich auf einer Art Fundament aus Seecontainern, während sich die Front aus transluzenten Polycarbonatplatten auf einer Holzkonstruktion zusammensetzt. Das Licht kann nun sowohl durch die Fassadenfront als auch zwischen den Kartonröhren hindurch in die Kirche fallen und erzeugt so eine interessante Lichtstimmung. Die Eröffnung fand im August 2013 statt und bietet heute bis zu 700 Personen Platz. Auch bei der Innenausstattung wurde auf Kartonröhren zurückgegriffen, so zum Beispiel beim Altar und weiteren Einrichtungen.


Christchurch
New Regent St
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Die Häuserzeilen wurden in den frühen 1930er Jahren im Stil spanischer Kolonien von privaten Investoren erbaut und sollten 40 Geschäften Platz bieten. Die New Regent Street gilt als Vorläufer modern Shopping-Malls mit direkt aufeinanderfolgenden Ladenlokalen in einer Fußgängerzone. Auch dadurch zählt es zum architektonischen Erbe Neuseelands. Es gilt als Wunder, dass die Straße während der Erdbeben von 2010 und 2011 nur geringfügig beschädigt wurde und repariert werden konnte.


Christchurch
Canterbury Museum
Rolleston Avenue, Christchurch 8013

Das Gebäude wurde bis 1882 für die umfangreiche Ausstellung des deutschen Geologen und Naturforschers Julius von Haast erbaut. Bereits 1870 eröffnete der erste Bauabschnitt, welcher wie das gesamte Gebäude eine Fassade aus grauem Basalt im viktorianischen Stil aufweist. In den Jahren 1958 und 1977 wurden weitere Anbauten eröffnet, letzterer durch Prinz Philip. Zwischen 1987 und 1995 gab es weitere Veränderungen am Baukörper, hauptsächlich aufgrund von verschärften Erdbeben-Normen – im Nachhinein eine äußerst sinnvolle Entscheidung.


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Christchurch
Cunningham Glasshouse
Christchurch Botanic Gardens

Das 1923 erbaute Gewächshaus aus Glas und Stahl ist ein klassisches Bauwerk botanischer Gärten dieser Zeit, um Pflanzen aus wärmeren Klimaregionen zu beheimaten. Seitdem hat es zahlreiche materielle, wie auch konstruktive Veränderungen gegeben, wie eine neue Sicherheitsverglasung und das Hinzufügen vom Leitern auf dem Dach. Das Gebäude hat jedoch seine ursprüngliche Leichtigkeit behalten.


Christchurch
Botanic Gardens Visitor Centre
Christchurch Botanic Gardens

Den Gegenpol zum Cunningham Glasshouse bildet das 2014 eröffnete neue Besucherzentrum des Botanischen Gartens. Es greift dabei die Konstruktion aus Stahl und Glas auf, transportiert es jedoch in die Gegenwart. Zudem wird das Gebäude durch in Matrizenschaltechnik hergestellte Sichtbeton-Elemente ergänzt, welche durch auftreffende Lichtstrahlen eine interessante, beruhigende Stimmung erzeugen und dabei an Blätter erinnern. Dies wird noch einmal durch Deckenplatten gleicher Struktur verstärkt, welche zudem, unterhalb der Dachverglasung gelegen, das Licht zum Teil hindurchlassen. Während die Planung schon vor den Erdbeben abgeschlossen war, gilt es als das einzige, größere Projekt, welches danach weiterverfolgt wurde. Das vollautomatisierte Gewächshaus entspricht dabei den neuesten Anforderungen an den Erdbebenschutz und beheimatet heute neben zahlreichen, teils exotischen Pflanzenarten eine Aufzucht, ein Café, Ausstellungsräume, Büros, einen Shop und einiges mehr. Dabei kann die Innentemperatur neben einer Wärmeschutzverglasung auch durch Raffstores und Dachfenster geregelt werden.

Auch dieses Gebäude wurde mit zahlreichen Preisen bedacht.


Christchurch
Art Gallery – Te Puna o Waiwhetu
312 Montreal St, Christchurch Central, Christchurch 8013

Der 2003 eröffnete Kunstgalerie-Bau zeichnet sich vor allem durch die auffällige Glasfassade des Eingangsbereiches aus konkaven und konvexen Formen aus. Nach den Erdbeben von 2010 und 2011 wurde es als Hauptsitz des Zivilschutzes genutzt, da es, aufgrund seiner Bauweise, eines der wenigen sicheren Gebäude der Innenstadt war. Die darauf folgenden nötigen Renovierungen und nochmaligen strukturellen Verstärkungen dauerte einige Jahre an, sodass die Art Gallery erst Ende 2015, während unseres Aufenthalts, wiedereröffnen konnte.


Christchurch
Bridge of Remembrance

Die Bridge of Remembrance wurde ursprünglich den Soldaten des Ersten Weltkriegs gewidmet, erinnert jedoch heute auch an jene anderer Konflikte. Sie ist zudem regelmäßig Schauplatz der ANZAC-Day Veranstaltungen (Australian and New Zealand Army Corps). Die Brücke mit ihrem markanten Torbogen beruht auf einem Architektenwettbewerb, wurde 1924 feierlich eröffnet und zeichnet sich durch zahlreiche, in Stein gemeißelte, Symbole wie Lorbeerkränze und Wappen aus. Seit 1977 ist sie als reine Fußgängerbrücke ausgewiesen und zählt seit 1985 zum architektonischen Erbe Neuseelands. Grundlegende Renovierungen gab es 1989 und 1992, sowie nach den Erdbeben von 2010 und 2011, welche bis ins Jahr 2016 andauerten.


Dunedin
Bahnhof außen / innen

Dieser wunderschöne Bahnhof wurde zwischen 1903 und 1906 im Stil der flämischen Renaissance aus dunklem Basalt und hellem Oamaru-Kalkstein erbaut und war nach seiner Eröffnung der größte und geschäftigste Bahnhof Neuseelands. Bis zu 100 Züge pro Tag hielten damals am rund einen Kilometer langen, überdachten Bahnsteig, dem längste des Landes. Die beeindruckende Hauptfassade des Bahnhofs wird durch einen 37 Meter hohen, rechteckigen Turm an der Südwestecke des Gebäudes ergänzt, welcher auf drei Seiten eine eineinhalb Meter große, beleuchtete Bahnhofsuhr trägt.

Im Inneren des Gebäudes setzt sich diese repräsentative Gestaltung fort. Über 725.760 Porzellan-Fliesen wurden hier zu Mosaiken zusammengefügt, welche Lokomotiven, ihre Räder, Wagons, Signale, und die Buchstaben NZR für New Zealand Railways zeigen.

Diese Mosaike, wie auch der Rest des Gebäudes wurden 1999 einer grundlegenden Restaurierung unterzogen, sodass das Gebäude seitdem wieder seinen alten Glanz verkörpert. Heute verkehren, aufgrund des vor einigen Jahren fast komplett eingestellten und nur langsam wieder aufgebauten Zugverkehrs, nur noch wenige Touristenzüge wie die Taieri Gorge Railway. Das Gebäude selbst bietet heute neben dem Touristenverkehr einem Restaurant, einer Kunstgalerie und der New Zealand Sports Hall of Fame Platz. Es gehört zurecht zum architektonischen Erbe Neuseelands.


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Dunedin
Toitū – Otago Settlers Museum Eingangsgebäude

Direkt neben dem Bahnhof gelegen findet man das Eingangsgebäude des Toitū – Otago Settlers Museums, welches zugleich die Ausstellungsfläche der ältesten, erhaltenen neuseeländischen Dampflokomotive darstellt. Dieser von 2011 bis 2012 erbaute Teil mit seinem weit auskragenden Dach beinhaltet zudem ein Café und einen Shop. Das Dach wird dabei von Stahlstützen getragen, in deren Zwischenräume eine Glasfassade eingesetzt wurde. Zusammen mit dem ersten Museumsbau von 1908 samt seiner imposanten Portraitgalerie der ersten Siedler Otagos und dem 1939 im Art Déco-Stil errichteten ehemaligen Busbahnhof des N.Z. Railway Road Services, welcher zu Ausstellungsflächen der neuseeländischen Verkehrsentwicklung umgebaut wurde, bildet das Museum einem interessanten architekturgeschichtlichen Gesamtkomplex. Es ist zudem das älteste neuseeländische Museum, befindet sich dabei aber auf dem neuesten Stand der Technik. So bietet es den Besuchern zahlreiche interaktive Bildschirme, welche die ausgestellten historischen Gegenstände näher beschreiben und so auch das Interesse vertiefen.


Kawakawa
Hundertwassertoiletten und weitere Fassaden- und Straßemgestaltung

Friedensreich Hundertwasser lebte von 1973 bis zu seinem Tod im Jahr 2000 in der Nähe der Kleinstadt Kawakawa im Northland. Aufgrund seiner Verbundenheit zu der Region wurde er 1998 beauftragt die alten öffentlichen Toiletten der Stadt zu erneuern und so findet man sein letztes fertiggestelltes Bauwerk, welches gleichzeitig das einzige auf der Südhalbkugel ist, heute an eben diesem Ort. Dabei zeichnet sich dieses, wie für ihn üblich, durch geschwungene Linien, unregelmäßige Formen und bunte Fliesenmosaike aus. Desweiteren setzte er auf recycelte Materialen wie Glasflaschen und Ziegel sowie das bekannte, bei vielen seiner Gebäude eingesetzte grasbewachsene Dach und die Einbeziehung der Natur generell, hier in Form des im und durch das Gebäude wachsenden Baumes.

Neben den Toiletten selbst finden sich in Kawakawa zahlreiche weitere Motive Hundertwassers, wie Laterne, Straßenübergänge, Sitzbänke und ein großes Mosaik an der Seitenfassade des örtlichen Souvenirshops, dem Grass Hut.


Lake Tekapo
Church of the Good Shepherd
Pioneer Dr, Lake Tekapo 7999

Das Gebäude am Ufer des Lake Tekapo wurde 1935 als Ehrung für die ersten Siedler der Mackenzie Region errichtet und zeichnet sich neben seiner Natursteinfassade vor allem durch das, hinter dem Altar liegende, Panoramafenster mit Blick über den Lake Tekapo aus.


Muriwai Beach
Surf Club

Der Gebäudekomplex des Muriwai Surf Clubs liegt nur wenige Meter hinter den Dünen eines wunderschönen Srandes mit dunkelgrauem Sand. An diesen und die umgebenden Wälder angelehnt, passt sich der 2013 fertiggestellte Neubau perfekt in die Landschaft ein. Das aus vier Gebäudeteilen durch Überdachung der Zwischenräume verbundene Bauwerk wurde mit Zedernholz verkleidet und das sowohl im Fassaden-, Dach- und Bodenbereich. Dabei sind die einzelnen Räume so angeordnet, dass sie getrennt voneinander und ohne die Störung anderer Anwesender für die verschiedenen Zwecke genutzt werden können. Zudem wurde großer Wert auf ökologische Gesichtspunkte gelegt, so zum Beispiel die Filterung und Nutzung von Regen- und Duschwasser vor Ort. Das Gebäude bildet heute den Treffpunkt für lokale Sport- und Freizeitgruppen, bietet Räumlichkeiten zur Bildung von Schülern aus der gesamten Region um Auckland und ist Zentrum einer Rettungsschwimmermannschaft. Dafür wurden Lagerplätze für die benötigte Ausrüstung, Wasch-Plätze und ein windgeschützter öffentlicher Innenhof angelegt. Zudem ist das gesamte Gelände wie auch der Surf Club selbst ein Veranstaltungsort mit guter Akustik und bietet Unterkunftsmöglichkeiten im Obergeschoss des größten Gebäudeteils.
Dazu gilt als das Bauprojekt als Musterbeispiel für das Zusammenarbeiten und den Zusammenhalt aller Baubeteiligten.


New Plymouth
Len Lye Centre

Das Len Lye Centre ist eine Erweiterung der Govett-Brewster Art Gallery, wurde 2015 eröffnet und ist dem gleichnamigen neuseeländischen Künstler gewidmet. Er selbst sagte 1964, dass „great architecture goes fifty-fifty with great art“ und genau so wurde dieser Museumbau auch entworfen. Die 14 Meter hohe Fassade spiegelt dabei im wahrsten Sinne des Wortes seine künstlerischen Werke wieder, denn auch er arbeitete und experimentierte mit Lichtspiegelungen, -reflexionen und bewegten Formen. So wirkt auch die Fassade wie ein Vorhang, welcher sich zu bewegen scheint. Zudem wird durch die lokal hergestellte, aus 540 Einzelteilen bestehende, glänzende Edelstahl-Fassade, die Taranaki Region mit eingebunden und bildet Gleichzeitig einen Gegenpol zum auf der anderen Straßenseite stehenden Clock Tower.

Im Inneren der Galerie setzt sich die Verbindung von Kunst und Architektur fort, was insbesondere für den Hauptaustellungsraum gilt. Dieser nimmt die Hälfte der Grundfläche und der Gebäudehöhe ein und zeichnet sich durch seine Wände aus. Diese folgen dem äußeren Fassadenverlauf, sind jedoch aus Sichtbeton gegossen, wodurch auch dieses rechts schwere Material wie ein leichter Vorhang wirkt. Dies wird noch einmal durch regelmäßige, deckenhohe, aber versteckte Öffnungen der Fassade unterstützt. Dass jedes der 20 vorgefertigten Sichtbetonelemente zwischen 30 und 50 Tonnen wiegt, erscheint einem beim Betrachten daher völlig abwegig.
Die während unseres Aufenthalts ausgestellten „Fountains“, welche aus überlebensgroßen beleuchteten und sich drehenden Stäben bestanden, verstärkten noch einmal die Verbindung von Kunst und Architektur. Die Schatten der „Fountains“ wurden dabei über den Sichtbeton-Vorhang bewegt und schufen eine fesselnde Atmosphäre, welche sich ständig zu verändern schien. Dabei lenkte der ansonsten komplett schwarz gestrichene Raum den Blick immer wieder von der Kunst zur Architektur der Außenwand.

Das Len Lye Centre gilt als Paradebeispiel des BIM-gestützten Entwerfens und war Finalist des World Architecture Festivals 2016.


New Plymouth
Te Rewa Rewa Bridge
Coastal Walkway

Die Brücke ist ein 2010 eröffnetes Teilstück des Coastal Walkways und überspannt auf 68,8 Metern Länge den Waiwhakaiho River. Die Brücke wirkt mit ihren rippengleichen Trägern wie ein Walskelett, soll jedoch eher wie eine dem Wind nachgebende Konstruktion wirken. Dabei symbolisiert sie auch die Erinnerung an eine Schlacht der Musket Wars, welche an diesem Ort stattfand. Schaut man bei gutem Wetter vom nördlichen Ende aus durch die Brücke, kann man am anderen Ende den Vulkan Taranaki eingerahmt durch die Stahlträger erkennen. Durch die Höhe von 4,50 Metern über der Wasseroberfläche soll sie sowohl Überschwemmungen als auch Laharen bei einem möglichen Ausbruch Taranakis standhalten.

Die Te Rewa Rewa Bridge ist Gewinner des Footbridge Awards 2011.


Rotorua
Redwood Toiletten
Long Mile Road, Rotorua

Die außergewöhnlichen Toiletten passen sich in ihrer Materialität aus Corten-Stahl dem umgebenden Redwood-Wald an. Dies wird durch herausgearbeitete natürliche Motive wie Pflanzen und Vögel noch einmal verstärkt, sodass die Toiletten perfekt in die Natur integriert werden. Die preisgekrönten Bauten bestehen dabei aus der beschriebenen Außenhülle aus Stahl und einem fast schon handelsüblichen Sanitärblock im Inneren.


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Rotorua
Ein Marae mit einem Wharenui in Te Puia

Ein Marae bildet das spirituelle Zentrum einer Māori-Gemeinschaft und dient sowohl zeremoniellen Zwecken, sowie für Versammlungen. Das Wharenui, ein großes Gemeinschafts- oder Versammlungshaus bildet dabei das Zentrum eines Marae, dessen Baustil seit dem 19. Jahrhundert unverändert geblieben ist. Das Gebäude wird dabei von den Māori wie die Darstellung eines Ahnen angesehen, wobei die einzelnen Bauteile die Teile eines Menschen symbolisieren. So wird als Koruru der höchste Punkt des Gebäudes angesehen und dieser somit als Kopf. Die als Maihi bezeichneten Schnitzerei des Gibels stellen die Arme dar, während ihre Enden, die Raparapa die Finger bilden. Der First (Tāhuhu) bezeichnet das Rückgrat und die Sparren (Heke) die Rippen, während die zentrale Säule des Wharenui das Herz symbolisiert – die Poutokomanawa.
Eine sehr schöne Sicht auf ein Gebäude, wie ich finde und wieder mal ein Beispiel der Māori-Kultur, welches ein Vorbild für andere Kulturen im Umgang mit Ahnen, wie auch mit Ressourcen sein kann.


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Queenstown
Lakeview Holiday Park
Upper Brecon Street, Queenstown 9300

Der Campingplatz beinhaltet ein paar interessante moderne Bauwerke, welche sich allesamt durch ihre Beton- und Holz-Optik auszeichnen. Neben den hier abgebildeten Ein-Zimmer-Appartements mit Fernblick auf die Südalpen, gibt es zudem noch ein Waschhaus und ein Küchengebäude für Camper.


Waipapa Point
Leuchtturm
211 Waipapa Lighthouse Rd, Otara 9875

Der 13 Meter hohe Leuchtturm in den Catlins wurde 1884 in Betrieb genommen und 1975 automatisiert. Aus Holz gebaut ist er der vorletzte in dieser Art fertiggestellte in Neuseeland und weist einen hexagonalen Grundriss auf. 2008 wurde der heruntegekommene Leuchtturm komplett restauriert und zeigt sich somit heute wieder von seiner besten Seite.


Wellington
Kumutoto Toilets

Noch ein Beispiel, dass öffentliche Toiletten nicht langweilig sein müssen. Diese 2011 eröffneten Kunstwerke erinnern an überdimensionale Meeresbewohner, die Interpretationen gehen dabei von Hummern über Pfeilschwanzkrebse bis Schnecken und sind wohl von allen etwas. Die organische Form beruht dabei auf einer Betonkonstruktion, welche mit, im ziegelrot der Nachbargebäude lackierten, Metall-Panelle bedeckt wurden. Und während sich an den großen Enden der skulpturalen Bauwerke die Eingänge befinden, dient das andere Ende der Belüftung des Inneren.


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Wellington
Shed 5

Dieses 1886 errichtete, hölzerne Hafengebäude gilt als eines der am besten erhaltenen seiner Art. Nach seiner Errichtung diente es der Lagerung von Waren, während es heute (seit 1989) ein Restaurant beheimatet. Im Gegensatz zu Shed 3 wurde nur ein Anbau im Jahr 1993 hinzugefügt und es ansonsten größtenteils im Originalzustand belassen.


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Wellington
Shed 3

Direkt neben Shed 5 befindet sich das 1897 erbaute Shed 3 mit der gleichen ursprünglichen und heutigen Nutzung. Es unterscheidet sich jedoch durch zahlreiche Umbauten und Erweiterungen in den Jahren 1910, 1991 und 2013.


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Wellington
Begonia Glasshouse

Ein klassisches viktorianisches Glashaus im Botanischen Garten Wellingons.


Der Kopfbahnhof der Hauptstadt wurde von 1934 bis 1937 im georgianischen Stil errichtet und galt als das größte Gebäude des Landes, welches zudem als eines der ersten als erdbebensicher eingestuft wurde. Dabei steht das Gebäude auf neu gewonnenem Land. Der Haupteingang zeichnet sich durch seine acht dorischen Säulen aus während die geräumige Schalterhalle durch ihre kassettierten Kreuz- und Tonnengewölbe dominiert wird. Die Wartehalle vor den Gleisen zeigt sich dagegen lichtdurchflutet und beinhaltet, wie das gesamte Gebäude, kleinere Geschäfte. Zwischen 2003 und 2008 wurde das Gebäude grundlegend saniert.


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Wellington
Beehive
Pipitea, Wellington 6160

Als Beehive wird ein Teil des neuseeländische Parlamentsgebäudes bezeichnet, welches von 1969 bis 1979 erbaut wurde und den typischen Baustil dieser Zeit widerspiegelt. Es ist 72 Meter hoch und besitzt 10 oberirdische Etagen und verjüngt sich im Durchmesser von 55 Meter im Sockelbereich auf 31 Meter an der Kuppel, ganz wie bei einem Bienenstock. Während der Prime Minister sein Büro im obersten Stockwerk beziehen darf, befinden sich in den darunterliegenden Geschossen zahlreiche Büroräume der Kabinettsmitglieder und Beamten.


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Ein Warehouse mit seiner typischen, roten Wellblechverkleidung sollte man natürlich auch mal gesehen haben 😀


Des Weiteren kann man sich in Christchurch das Arts Centre () ansehen, welches sich noch im Wiederaufbau befand als wir dort waren. Somit gibt es leider hiervon keine Fotos, es ähnelt aber von der äußeren Erscheinung dem Canterbury Museum.

Generell wird sich vor allem in Christchurch in den nächsten Jahren einiges tun. Allein das neue Convention Centre könnte zu einem echten architektonischen Highlight werden. Dazu kommen zahlreiche neue Wohn-, Geschäfts- und Bürobauten, sowie ein neues Stadion. (Rebuild Christchurch)

In Auckland befindet sich zudem eine Erweiterung der Bahnstrecken, inklusive ein paar nett gestalteter U-Bahnhöfe, im Bau. (City Rail Link) Zudem wird es ein neues Einkaufszentrum gegenüber des Britomart-Hauptbahnhofes geben. (Commercial Bay)

2 Gedanken zu “Sehenswerte Architektur in Neuseeland

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