#9 Taupo – Desert Road – Ohakune – Whakapapa

Wir beginnen den Tag am kleinen Yachthafen Taupos und genießen nochmal kurz die Aussicht über den See bis hin zu den Vulkanen am Horizont. Eben jener Tongariro Nationalpark soll unser heutiges Ziel werden. Nach einem Tankstop und dem schönen Ausblick Richtung See von einem Lookout in der Nähe des Flughafens geht es wieder raus auf den SH1 nach Süden. Immer entlang des Lake Taupo fahren wir bis Motuoapa, ehe die Straße ins Landesinnere abbiegt.

Vorbei geht es am kleineren Pihanga Vulkan, der eine große Rolle in der Entstehungsgeschichte der heutigen Nordinsel innehat – zumindest wenn es nach einer der schönsten und vielleicht traurigsten Legenden der Māori geht.

Hierbei ist Taranaki ein Bergwesen, das seit Jahrhunderten friedlich in der Mitte der Nordinsel Neuseelands mit den drei anderen Bergen Tongariro, Ngauruhoe und Ruapehu lebte.

In der Nähe stand der Mount Pihanga. Von einem Mantel aus tiefgrünem Wald bedeckt, bot sie einen atemberaubenden Anblick und alle Berggötter waren in sie verliebt.

Taranaki wagte es, sich Pihanga anzunähern, weshalb Tongariro ihm Vorwürfe machte. Es kam zu einem gewaltigen Kampf zwischen ihnen. Die Erde bebte und der Himmel wurde dunkel, als die Berge ihren Ärger Luft verschafften.

Als die Schlacht endete, hielt die schöne Pihanga zu Tongariro. Taranaki, wild vor Trauer und Eifersucht, verließ wütend die anderen Berge. Weinend ging er auf die untergehende Sonne zu und bohrte einen tiefen, breiten Graben aus. Als er das Meer erreichte, drehte er sich nach Norden und stolperte die Küste hinauf und als er in dieser Nacht schlief, nahmen ihn die Pouakai Ranges an dem Ort gefangen, an dem er sich jetzt ausruhte.

Am nächsten Tag sprudelte ein klarer Wasserstrom von Tongariros Seite. Es floss die tiefe Narbe hinunter, die Taranaki auf seiner Reise zur Küste hinterlassen hatte und bildete so den Whanganui River.

Es gibt Leute, die sagen, Taranaki brummt still und wird eines Tages versuchen, wieder ins Landesinnere zurückzukehren, um Tongariro zu bekämpfen. Daher hatten viele Māori Angst, in der Gegend zwischen den Bergen zu leben.

Die Natur wird immer grüner und unbewohnter, während wir parallel zum Tongariro River den gleichnamigen Nationalpark erreichen. Wow, beeidruckend beherrschen Tongariro und vor allem Ngauruhoe mit seiner fast perfekten Kegelform die Szenerie. Der 2291 Meter hohe Ngauruhoe dürfte Herr der Ringe-Fans dabei als Schicksalsberg bekannt sein.

Relativ plötzlich verändert sich erneut die Landschaft als wir die Rangipo-Wüste erreichen. Auf der Desert Road fahren wir nun durch die karge Vulkanlandschaft östlich des Gebirges. Trotz ausreichenden Niederschlags wachsen hier höchstens ein paar Gräser, sei es aufgrund der 270 Tage mit Bodenfrost, des unfruchtbaren Bodens oder des trockenen Windes. Immer besser sieht man nun auch den mit 2797 Metern höchsten Vulkan des Nationalparks. Und ist bei Ngauruhoe nur die Spitze in zartes Weiß gehüllt, zeigt sich Ruapehu komplett mit Schnee bedeckt. An einer geeigneten Stelle können wir anhalten und genießen das Naturspektakel.

20181219_113607img_4439

Irgendwann können wir uns losreißen und verlassen die Desert Road in Waiouru nach Westen. Entlang mehrerer Wiesen, Schafherden und Wälder erreichen wir wenig später den kleinen Skiort Ohakune. Nett gelegen am Fuß des Ruapehu machen wir hier nur kurz Rast, essen etwas auf einer Bank mit Blick auf den immer wolkenverhangeneren Vulkan, ehe wir kurz hinter der Stadt auf den SH4 nach Norden treffen.

Hier ist die Natur wieder geprägt von saftig grünen Wäldern an der Flanke Ruapehus. Und mittendrin leuchtet der Makatote Viaduct. Über 100 Jahre alt, stählern und leuchtend rot-orange spannt er sich über die Schlucht des gleichnamigen Flusses. Leider macht das Wetter eine längere Pause unmöglich, aber wir haben ja vielleicht morgen noch einmal die Chance, wenn wir uns wieder Richtung Wanganui aufmachen.

img_4451

Immer weiter geht es durch die verregnete, grüne Hügellandschaft. Wir wechseln zweimal den Highway, was sich natürlich spektakulärer anhört als es ist – wir biegen auf einer winzigen Kreuzung rechts ab. Anschließend steigt die Straße immer mehr an, die Bäume werden immer weniger und wir erreichen unser heutiges Ziel – Whakapapa. Der hiesige Holiday Park liegt direkt am Fluss, jeder Platz wunderschön in einer kleinen Bucht zwischen Farnen und Bäumen des Regenwaldes. Direkt neben unseren Plätzen am oberen Ende der Anlage befindet sich zudem der Einstiegspunkt zu einem kleinen Wanderweg. Wir gehen jedoch noch nur kurz über die kleine Hängebrücke und betrachten den sanft unter uns plätschernden Whakapapanui Stream. Das Flüsschen, der umgebende Regenwald und die Ruhe täuschen jedoch über die nicht ungefährliche Lage hinweg. Bei einem Vulkanausbruch kann es dazu kommen, dass Lahars das Tal hinunter und somit auch über den Campingplatz rauschen. Wir informierten uns lieber über die geeignetste Fluchtroute zum auf der anderen Straßenseite liegenden Chateau Tongariro.

Langsam wurde auch das Wetter besser, ein paar trockene Stunden waren vorhergesagt, also konnten wir doch noch eine der vielen schönen Wanderungen im Tongariro Nationalpark in Angriff nehmen. Der Weg zu den Taranaki Falls soll laut örtlicher I-Site etwa drei Kilometer lang sein und ebenso weit über den zweiten Teil des Rundwegs zurück zum Dorf.

Vorbei an mannshohem Buschwerk und immer mal wieder durch Bergbuchen-Haine gehend genießen wir die Vulkanlandschaft. Vor allem die heimische Buchenart mit ihren kleinen Blättern und ihren moosüberzogenen Stämmen und Ästen hat es uns angetan. Aber auch die vereinzelnten Bergmargeriten mit ihrem flauschigen Stiel und der leuchtend weißen Blüte bringen etwas Abwechslung in die karge Landschaft. Zwischenzeitlich haben wir zudem Glück und die Wolken lichten sich so weit, dass wir heute noch einmal Ngauruhoe von seiner anderen Seite sehen können. Schön!

Auf halbem Weg zum Wasserfall erreichen wir den Wairere Stream, dessen Lauf wir folgen und ihn auch einmal kreuzen. Hier ist die Landschaft wieder von unberührtem, moosigen Wald geprägt, immer wieder mit Blick auf den netten kleinen Fluss.

Man hört es schon immer mehr rauschen als der Wald lichter wird und man schließlich eine letzte Brücke überquert und einen Hügel frei von Bäumen hochsteigt. Dann liegen die 20 Meter hohen Taranaki Falls vor uns.

Ein wunderschöner Wasserfall und wirklich ein toller Ort um länger zu verweilen. Doch kurz nachdem wir angekommen sind, fängt es auch schon an zu regnen. Wir haben scheinbar zu lange für den Hinweg gebraucht und das vorhergesagte kurze trockene Zeitfenster ist schon vorüber. Gleichzeitig fällt uns auf, dass wir den Rundweg lieber gegen den Uhrzeigersinn hätten laufen sollen, gibt es doch auf diesem zweiten Abschnitt fast keinen Baum, unter welchem man sich unterstellen könnte. So beeilen wir uns nun ein wenig, möglichst schnell zurück zum Campingplatz zu kommen und sind doch gut durchnässt, als auf halbem Weg der Regen nachlässt. Jetzt zeigt die Natur nochmal ihr ganzes Können. Unter uns die karge Vulkanlandschaft, dicht über unseren Köpfen tief hängende Wolken und dazwischen ein heller Streifen bis zum Horizont.

Wir kreuzen Bäche, gehen Hügel hoch und wieder runter, bis hinter einer Kurve wieder das Chateau in unser Sichtfeld rückt. Die Büsche entlang des Wegs werden dichter und höher – wir sind wieder am Ausgangspunkt angelangt. Trotz Regen eine sehr schöne Wanderung!

Zurück am Camper geht es noch kurz unter die wärmende Dusche und anschließend in die große Gemeinschaftsküche zum Essen. Ein schöner von Vulkanen geprägter Tag!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s