#10 Whakapapa – Wanganui

Diese Nacht war nicht wirklich erholsam. Einstellige Temperaturen und vor allem der Regen weckten uns immer mal wieder auf. Zwar ließ dieser morgens etwas nach, wir entschieden uns trotzdem lieber zum Waschhaus zu fahren, den Camper abzustellen und nur schnell reinzuhüpfen. Anschließend wechselten wir die Straßenseite zur örtliche I-Site, welche wir vor unserer gestrigen Wanderung nur kurz besuchen konnten. Neben einem netten kleinen Souvenir-Shop sprach uns hier vor allem die Ausstellung zur vulkanischen Geschichte der Region an – bei einem Ausbruch möchte man wahrlich nicht vor Ort sein. Jedoch wird jeder Ausbruch der Vulkane des Tongariro Nationalparks von jenem des Taupo-Vulkans in den Schatten gestellt. Die riesigen Ausmaße seiner Caldera konnten wir ja bereits gestern sehen, als wir entlang des in ihr entstandenen Lake Taupo fuhren.

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Nach dem Rundgang durch die I-Site und einem kleinen Einkauf im Shop, wurden wir draußen von auflockernden Wolken und klarer Sicht überrascht, womit wir nach den komplett verregneten letzten Stunden schon nicht mehr gerechnet hatten. Diese Chance konnten wir uns nicht entgehen lassen und fuhren ein paar Kilometer den Vulkan hinauf bis zum Iwikau Village, der Talstation des riesigen Skigebietes auf der Flanke Ruapehus. Leider kann man aufgrund von Bauarbeiten aktuell nicht mit dem Skilift bis hoch zum Knoll Ridge Café gelangen und die Aussicht genießen, doch auch von den zahlreichen Lookouts entlang der Straße ist die Weitsicht einfach phänomenal. Dazu kommt die schroffe Landschaft mit ihren rotbräunlichen bis dunkelgrauen erkalteten Lavazungen. Kurz laufen wir noch ein Stück entlang der Baustellen und der im Sommer verlassenen Skihütten, ehe es uns zu kalt wird und wir uns wieder auf den Weg bergab machen, immer mit einem Auge auf die Straße und einem auf die beeindruckende Landschaft.

Unser nächstes heutiges Ziel sollten die Tawhai Falls werden, welche nur wenigen Meter von der Straße entfernt liegen. Herr der Ringe-Fans besser bekannt als Gollums Pool, sind sie allerdings auch ohne Hintergrundwissen ein sehr schöner Zwischenstop. Etwa 13 Meter rauscht das Wasser hier von einem erkalteten Lavastrom herab und fließt anschließend zwischen großen grauen Felsbrocken weiter Richtung Tal. Dabei ist das ganze wieder von saftig grünen Pflanzen umgeben.

Als es zu regnen beginnt machen wir uns auf den Rückweg, springen ins Auto und verlassen den Hang Ruapehus endgültig. Vor und während des Tankstops im National Park Village regnet es anschließend dermaßen, das wir auch den Tongariro Nationalpark möglichst schnell hinter uns lassen möchten, nicht jedoch ohne einen weiteren kurzen Halt am Makatote Viaduct. Und diesmal haben wir sogar Glück und ein paar Sonnenstrahlen lassen die Brücke noch mehr leuchten. Typisch Neuseeland – wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte ein paar Minuten.

Wieder an Ohakune vorbei treffen wir irgendwann auf den Mangawhero River, welchem wir viele Kilometer folgen. Dabei finden wir eher zufällig die Raukawa Falls, welche man von einem kleinen Lookout am Straßenrand beobachten kann.

Die Region Manawatu-Wanganui ist hier geprägt von einer ausgeprägten, mit saftig grünem Gras bewachsenen Hügellandschaft. Tausende Schafe grasen hier sicher glücklich bei so viel Freiraum und das nicht erst seit gestern. Die Hügel sind über und über mit Laufwegen der teilweise schon geschorenen Tiere überzogen.

Irgendwann trifft die Straße auf den Whanganui River, welcher mittlerweile wie der Vulkan Taranaki zu einer juristischen Person erklärt wurde, um die Möglichkeiten zu verbessern, diesen zu schützen.

In Wanganui angekommen gehen wir nach dem Besuch der I-Site und einem Einkauf im örtlichen Countdown einmal durch die nette kleine Stadt und treffen hier auf einen aus England stammenden Crêpes-Verkäufer, mit dem wir uns kurz unterhalten, ehe wir mit unserer Leckereien weitergehen und noch durch ein paar Geschäfte schlendern.

Unser Campingplatz für die heutige Nacht soll der Kai Iwi Beach Holiday Park werden, welcher sich etwas außerhalb, dafür jedoch in der Nähe des Wassers befindet. Netter kleiner Platz, dessen Lage wir natürlich gleich ausnutzen wollen. Der beschriebene Weg sollte über eine Wiese bis zum Strand führen, von einem eher beschwerlichen Weg durch brusthohes Gras war nicht die Rede. Der Strand selbst, mit seinem von Vulkanen erzählenden schwarzen Sand, entschädigt danach allerdings für den Weg. Dazu kommen die stetig brechenden hohen Wellen der Tasmansee, welche eine Menge Treibholz in die Bucht spülen. Wir gehen ein Stück über den Strand, überqueren einen kleinen Strom und stehen anschließend vor einer beachtlichen Steilküste. Durch die Plattentektonik wurden hier auch tief liegende und dementsprechend alte Sedimentschichten an die Oberfläche gehoben. Geht man hier entlang der Klippe nach Westen, ist dies wie eine Zeitreise. Die Sedimente und die in ihnen enthaltenen Mengen an Fossilien werden immer älter, was nur an wenigen Orten weltweit möglich ist.

Für den Rückweg zum Campingplatz wählen wir die parallel zu unserem Hindernislauf verlaufende Straße und können nach dem Abendessen noch einen schönen Sonnenuntergang über dem Meer beobachten.

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