#19 Franz Josef – Haast Pass – Wanaka

Den Franz Josef Gletscher gestern schon zu besuchen war eine gute Idee, denn heute macht die Westcoast ihrem Image alle Ehre. So laufen wir nur schnell zum Waschhaus und kaufen ein paar Kleinigkeiten im örtlichen 4 Square Supermarkt ein und machen uns anschließend auf den Weg weiter nach Süden. Dabei überqueren wir erneut die Waiho River Bridge und biegen dahinter rechts ab auf den Fox Glacier Highway / SH6, der uns bis in den gleichnamigen nächsten Gletscherort führt. Dabei überqueren wir auf der durchaus kurvigen Straße zuerst den Omoeroa und anschließend den Cook Saddle. Die ursprüngliche Natur mit ihrem Küstenregenwald ist jedoch jede Windung wert!

 

Ab Fox Glacier folgen wir ein Stück weit dem Flussbett des Cook Rivers, ehe wir nach der Überquerung des Karangarua Rivers die einsame Bruce Bay erreichen – von wegen! Nachdem wir wirklich jedem erzählt hatten, dass es an der mittleren Westcoast fast keine Zivilisation oder Infrastruktur gibt, treffen wir nun am diesem einsamen Ort auf einen kleinen Imbisstruck. Mit der rauen Brandung der Tasmansee im Rücken, dem Regen von oben und dem Blick auf den Küstenregenwald gerichtet, Kilometer vom nächsten größeren Ort entfernt, ist dies sicher ein lukrativer, wenn auch einsamer Platz. Natürlich halten auch wir hier an.

 

Wenige Kilometer weiter folgt zugleich die nächste Station der heutigen Strecke. Bei der South Westland Salmon Farm am Paringa River nutzen wir das dazugehörige Café, genießen verschiedene Gerichte und können beim Blick über das Aufzuchtbecken immer besser werdendes Wetter feststellen. Vielleicht haben wir ja heute noch das Glück, die nächsten Ziele trockenen Fußes zu erreichen.

 

Das Erste erreichen wir wenige Kilometer weiter südlich, wo der Highway erneut auf die Küste trifft. Am Knights Point Lookout, einige Meter über dem Meeresspiegel, soll man einen schönen Ausblick über die Küstenlinie haben. Und wir werden nicht enttäuscht, wobei uns die Massen an Sandflies und die unschön riechenden Toiletten schnell zur Weiterfahrt verleiten.

 

Unser nächster Halt verspricht deutlich schöner zu werden, vor allem aber bietet er neben einem fantastischen Strand die Möglichkeit, Delfine zu beobachten, welche sich hier des öfteren tummeln sollen. Am Ship Creek geht der dichte Wald der Westcoast dabei stetig in den Strand der Tasmansee über und sorgt so wieder einmal für den wilden Eindruck der Westküste.

 

Wir gehen ein wenig am Strand entlang, suchen nach Steinen und schönem Treibholz – beides gibt es hier ausreichend – und haben dabei immer ein Auge auf das Wasser. Vielleicht haben wir ja wirklich Glück.

 

Nicht Vielleicht. Wir haben Glück! Schon nach wenigen Minuten sehen wir eine erste Rückenflosse, dann eine zweite. Insgesamt müssen etwa fünf bis sechs Meeressäuger vor der Küste unterwegs sein. Erst nach rechts, dann nach links und wieder zurück. Dabei deutet die abgerundete Rückenfinne, die Färbung in verschiedenen Grautönen sowie die geringe Größe auf die nur in Neuseeland vorkommenden Hector-Delfine hin. Ein Blick auf das Schild eines Aussichtspunkt bestätigt dies anschließend. Wieder einmal toll, wie nah man in Neuseeland wild lebenden Tieren kommen kann. Und es soll für heute nicht die letzte solche Begegnung bleiben.

 

Nachdem sich die Gruppe schließlich entfernt hat, gehen auch wir wieder über einen schönen Bohlenweg zurück zum Ausgangspunkt und klettern noch auf den dortigen Aussichtsturm mit einem weiteren fantastischen Blick über die Bucht und das Hinterland.

 

Der Highway führt nun schnurgerade weiter nach Süden, immer mit dem Regenwald auf der einen und Weideflächen vor dem Ozean auf der anderen Seite. Kurz vor Haast erreicht man schließlich die mit 737 Metern längste einspurige Brücke Neuseelands. Hier gibt es direkt davor einen kleinen Aussichtspunkt, an welchem man lieber nicht aussteigen sollte – dutzende Sandflies hatten uns beim letzten Mal zurück ins Auto getrieben und verfolgt. So bleiben wir im Auto sitzen und beobachten ein wenig den Verkehr auf der Brücke und den darunter fließenden Haast River. Die anschließende Überfahrt unterbrechen wir in einer der zwei Haltebuchten, um entgegenkommende Fahrzeuge passieren zu lassen und folgen der Straße auf der anderen Seite ins Landesinnere. Mach’s gut, wilde Westküste!

 

Wir lassen Haast hinter uns und folgen dem Highway Richtung Haast Pass. Immer mit dem breiten steinigen Flussbett auf der linken Seite – mal direkt auf Augenhöhe, später auch tiefer unter einem – queren wir zahlreiche Creeks auf einspurigen Brücken. Hierbei zeigen die Kiwis mal wieder ihre Kreativität. Namen von Bächen wie Dancing Creek oder Roaring Swine Creek lassen einen beim Vorbeifahren doch schmunzeln.

 

Und nach ein paar Kilometern durch den dichten Wald des Mount Aspiring Nationalparks, erreichen wir nach der zweiten, heutigen Überquerung des Haast Rivers die Thunder Creek Falls. Wir parken die Camper und machen uns auf den kurzen Weg durch einen mit verschiedensten Farnen und Bäumen bewachsenen Wald bis zu einer Aussichtsplattform, ein paar Meter über dem Flussbett und mit Blick auf den 28 Meter hohen Wasserfall.

 

Toller Stop, jedoch lassen uns die unzähligen Sandflies schnell die Flucht ergreifen und folgen dem Highway weiter durch die Südalpen / Kā Tiritiri o te Moana. Nach kurzer Zeit steht die nächste Flussquerung an. Unter der alten Stahlbrücke konnten wir beim letzten Mal die gewaltige Natur eines Alpenflusses beobachten. Heute sind die Stromschnellen der Gates of Haast leider nicht mehr zugänglich und so können wir nur den Blick von der Brücke in die Schlucht genießen, während wir unser nächstes Ziel ansteuern.

 

Die Fantail Falls sind ein 23 Meter hoher Wasserfall, den wir erneut über einen kurzen, so genannten Bush Walk erreichen. Die Benennung nach dem kleinen Neuseelandfächerschwanz ist dabei durchaus zutreffend, fächert sich der Wasserfall doch nach unten hin auf, bis er auf das kieselige Flussbett des Haast Rivers trifft. Wir beobachten einige Zeit das hinabfallende Wasser und die vielen, sich fotografieren lassenden Touristen und gehen anschließend ein paar Meter durch das Flussbett. Irgendwie herrscht hier eine besondere Atmosphäre. Die tief hängenden Wolken der morgendlichen Niederschlänge wabern noch über dem Regenwald des Nationalparks, während das glasklare und eiskalte Wasser des Flusses so durchsichtig ist, dass es fast surreal wirkt. Dazu kommen hunderte kleine Türme aus gestapelten Flusskieseln, die es immer wieder gilt zu umgehen. Ein fantastischer Ort für eine Pause!

 

Irgendwann biegen wir wieder in den Wald ab und gehen zurück zu den Campern. Nächster Wegpunkt: Haast Pass / Tioripatea. Der auf 562 Metern Höhe gelegene Pass ist einer von nur drei befahrbaren Pässen der Südalpen / Kā Tiritiri o te Moana. Die Straße führt von nun an wieder bergab und wir erreichen nach ein paar Kilometern die Cameron Flat Campsite. Eigentlich wollten wir heute noch die Blue Pools besuchen, die aufziehenden schwarzen Wolken und die fortgeschrittene Zeit sorgen jedoch für die Entscheidung gegen die kleine Wanderung.

 

Eine schöne Entschädigung wird uns jedoch von einer Gruppe Keas geboten, welche sich rund um den Parkplatz vergnügen, ehe sich einer von ihnen direkt vor uns in einen großen Neuseeländischen Flachs setzt. Delfine am Vormittag, Bergpapageien am Nachmittag – das gibt’s wohl nur in Neuseeland.

 

Ab hier verläuft der SH6 fast schnurgerade entlang des Makarora Rivers. Immer mehr Felder säumen die Straße, während das Tal immer weiter wird, bis man schließlich den Lake Wanaka erreicht. Was nun folgt gehört wieder zu den schönsten Strecken des Landes. Immer entlang des Sees und damit verbundener fantastischer Aussicht führt die Straße über die Flanke der McKerrow Range. Natürlich nutzen wir auch die Möglichkeit an einem Lookout anzuhalten, ehe es weitergeht.

 

Über den The Neck Pass geht es am Isthmus Peak vorbei zum benachbarten Lake Hāwea. Nur 1.000 Meter liegen hier zwischen dem viert- und neuntgrößten See Neuseelands. Der Lake Hāwea selbst steht dem Lake Wanaka dabei in nichts nach und so folgen wir seinem Ufer genau wie zuvor immer mit einem Auge auf die Straße und einem auf den See und die dahinter liegenden Bergketten.

 

In Wanaka angekommen treffen wir erneut auf den gleichnamigen See und steuern zuerst den im Zentrum gelegenen Parkplatz direkt am Wasser der Roys Bay an. Kurz genießen wir das Wetter – wer hätte das heute morgen gedacht – und fahren anschließend zum Wanaka Kiwi Holiday Park & Motel. Hier waren wir schon beim letzten Mal und werden auch heute nicht enttäuscht. Schöner Platz für heute und die nächsten Nächte. Und vor allem ein toller und vor allem ereignisreicher Tag zwischen Westcoast, Südalpen und wilden Tieren!

 

Dezember 2018

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