#24b Christchurch (Rundgang Teil 1)

Nach der kurzen Entspannungspause machen wir uns wieder auf den Weg. Wir verlassen die Wohnung, fahren mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und stehen wieder mitten in der Cathedral Junction, jedoch ohne meinen Stadtplan mit der zu Hause erarbeiteten Route. Also wieder rauf ins AirBnB. Dass dieser Umstand wohl vom Schicksal so gewollt war, wird mir klar, als ich, wieder unten angekommen, direkt von einem mir bekannten Gesicht begrüßt werde. Wir hatten eine Zeit lang die gleiche Schule besucht und kannten uns auch so vom Sehen. Verrückt, wie klein die Welt doch einfach ist. Jetzt ist er auf Weltreise und macht von unterwegs immer mal wieder Beiträge für das Lokalradio, seinen letzten Arbeitgeber. Und so musste die Frage nach einem Interview unweigerlich aufkommen. Natürlich stimmen wir zu und nehmen schnell ein paar O-Töne auf, welche zu Hause gesendet werden sollen und uns so einige lustige Rückmeldungen von der Familie, Freunden und Kollegen einbringen werden. Und während er heute erst in Neuseeland angekommen ist, machen wir uns nun, an unserem vorletzten Tag in Aotearoa, auf den Weg durch die Stadt. Die erste Runde heute führt uns durch das südöstliche Stadtzentrum.

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Passenderweise fährt gerade eine der alten Trams durch die nette, vor uns liegende Straße und hinein in die Cathedral Junction. Wir gehen den entgegengesetzten Weg und starten mit der New Regent Street, welche wir aus unserem AirBnB von oben sehen können. Eine schöne alte Straße im Spanischen Kolonialstil, welche aus unerfindlichen Gründen bei den starken Erdbeben vor ein paar Jahren nicht zerstört wurde.

Am Ende der von Läden und Restaurants gesäumten Gasse überqueren wir ein noch nicht wieder bebautes Grundstück und finden uns auf der gerade erst eröffneten und zwei Kilometer langen City Promenade entlang des Avon Rivers wieder. Passenderweise treffen wir hier auf eine der dreizehn Ngā Whāriki Manaaki / Woven Mats of Welcome. Die steinernen Mosaike sind den geflochtenen Matten der Māori nachempfunden und sollen Besucher willkommen heißen oder an besondere Ereignisse erinnern. Wirklich nett gemacht! Dazu wurden zwischen Straße und Gehweg sogenannte Rain Gardens angelegt, welche das durch den Straßenverkehr verunreinigte Wasser filtern, bevor es anschließend versickert oder direkt in den benachbarten Fluss geleitet werden kann. Bepflanzt werden diese Mini-Gärten, welche sich in Zukunft über die ganze Stadt verteilen sollen, hauptsächlich mit neuseeländischen Pflanzen. Christchurch will seinem früheren Spitznamen wieder einen Grund geben.

Wir verlassen die City Promenade jedoch schon wieder nach ein paar Metern und gehen entlang des riesigen und sicher nicht nur für Kinder atemberaubenden Margaret Mahy Playground – der größte Spielplatz der südlichen Hemisphäre –  bis wir auf die Huanui Lane treffen. Diese bildet, mit dem parallel zu ihr verlaufenden Rauora Park, eine sich über fünf Straßenblocks erstreckende grüne Achse. Rechts und links dieser Parkachse enstehen nun nach und nach neue Wohngebäude und bilden so zusammen mit dem Rauora Park den so genannten East Frame / Pūtahi Whakaterāwhiti.

Auf unserem Weg durch den Park treffen wir auch wieder auf The Octagon, die ehemalige Trinity Congregational Church, und das kleine, alte Holzhaus, welches beim letzten Mal noch in einem erbärmlichen Zustand war. Mittlerweile erstrahlt es jedoch in altem Glanz. Schön!

An der Hereford Street verlassen wir den East Frame und biegen nach Osten ab.

Hier treffen wir auf die Cardboard Cathedral, dem Ersatzbau der eingestürzten Kathedrale im Herzen der Stadt. Komplett aus Seecontainern, Stahl und vor allem aus Pappröhren errichtet, hält sie nun schon einige Jahre dem Wetter stand. Warum sollte aus diesem Provisorium nicht wirklich ein dauerhafter Sakralbau werden.

Auf den Straßenblocks dahinter soll in Zukunft zudem die neue Multifunktionsarena der Stadt entstehen und somit auch dieses Viertel wiederbeleben.

Wir folgen der Madras Street entlang dieser Blöcke und treffen zuerst rechtsseitig auf den Platz des Canterbury Television Gebäudes, welches beim Erdbeben 2011 einstürzte und so viele Menschenleben kostete. Mittlerweile wurde hier ein wirklich schöner Park angelegt und schafft so mit den „185 White Chairs“ auf der anderen Seite der Kreuzung einen Ort des Gedenkens.

Weiter die Straße runter biegen wir in die Lichfield Street ab und gehen direkt hinter dem Parkhaus links durch eine kleine Gasse bis zur Ash Street. Nach dem East Frame / Pūtahi Whakaterāwhiti (Rauora Park) und dem Te Papa Ōtākaro / Avon River Precinct (Avon River und City Promenade) treffen wir hier auf den South Frame / Pūtahi Whakatetonga. Zusammen bilden die drei Teile, wie der Name schon sagt, einen grünen Rahmen um die Innenstadt. Die Ash Street bildet dabei den Anfang des Greenways / Te Ara Pū Hā, einem Netz von ehemaligen Anlieferungswegen und Hinterhöfen, welche nun zu einem Fuß- und Fahrradweg samt Aufenthaltsmöglichkeiten umgewandelt werden. Wir biegen jedoch am Ende der Gasse, am Vanguard Square, zunächst rechts ab und kehren zur Lichfield Street zurück.

Hier treffen wir auf das südliche Ende des Rauora Parks. Beeindruckend, wie ein solcher Park ein ganzes Stadtviertel verändern kann. Bei unserer ersten Reise befand sich hier noch eine riesige, geschotterte Parkplatzwüste.

Die darauf folgende Manchester Street gehen wir wieder nach Süden und treffen dabei auf einige sehr gut gemachte Graffiti.

Das schönste von ihnen zeigt dabei eine Gruppe Elefanten, welche uns den Weg zurück auf den Greenway / Te Ara Pū Hā weisen. Ich bin gespannt, wie sich dieser Weg einmal entwickeln wird, wenn er durchgehend fertiggestellt ist und keine Lücken mehr aufweist. Noch wartet der Greenway darauf, mit Leben gefüllt zu werden.

Auf der Tuam Street treffen wir anschließend auf den, uns schon vom letzten Mal bekannten, Bus Interchange. Ein tolles Gebäude mit vielen Details im Māori-Stil. Vor allem ist aber das Dach ein Kunstwerk für sich.

Und genau ebendieses Dach wurde nun bei einem neuen Gebäude auf der anderen Straßenseite aufgegriffen, welches wir uns natürlich ebenfalls nicht entgehen lassen wollen – das frisch eröffnete Hoyts Cinema. Beeindruckend! Neben dem eigentlichen Kino findet man hier auch ein großes Angebot an kleinen Restaurants. Wir gucken uns schon einmal für morgen um, ehe es weitergeht.

Über die Lichfield Street und vorbei an schön gestalteten Parkhäusern und dem neuen Justiz-Viertel erreichen wir die Baustelle des Riverside Markets. An dieser Stelle spielte sich vor einiger Zeit noch das komplette Leben der Stadt ab. Denn bis vor ein paar Monaten lag hier die Re:Start Container-Mall, in der zahlreiche kleine Geschäfte, Banken und Restaurants nach den Erdbeben ihre provisorische Heimat fanden. Leider erinnert heute rein gar nichts mehr an diesen außergewöhnlichen Ort, wobei zumindest die Idee der einzelnen, kleinen Läden im neuen Gebäudekomplex beibehalten werden soll.

Wir umrunden das ganze zur Hälfte und treffen am Ufer des Avon River auf die mittlerweile fertig restaurierte Bridge of Remembrance. Schön! Und direkt davor finden wir zudem ein weiteres Steinmosaik der Ngā Whāriki Manaaki / Woven Mats of Welcome.

Weiter geht es über die Oxford Terrace entlang des Avon Rivers. Dieser Teil Christchurch ist mittlerweile fertiggestellt und zeigt, wie sich die Stadt in Zukunft präsentieren will – modern, grün und wassernah. In den kleinen Restaurants und Läden und auf der breiten Steintreppe runter zum Fluss lässt es sich bestimmt sehr gut aushalten.

Wir folgen der Straße weiter nach Norden und biegen nach rechts in die Hereford Street ein. Das Graffiti eines Silvereye Vogels an den Blüten eines Kōwhai Baums wollen wir uns nicht entgehen lassen. Super schön!

Bei der abends beleuchteten „Flour Power“-Skulptur an der Kreuzung von Hereford, Colombo und High Street biegen wir Richtung Cathedral Square ab, werfen jedoch nur einen kurzen Blick auf diesen und gehen an der Seite der Kathedrale vorbei und zurück zu unserer Wohnung in der Cathedral Junction. Reicht für heute – wir sind K.O. und es wird auch so langsam kühl in der Stadt.

Wir fangen an, unsere Sachen zu sortieren und einzupacken, wofür wir jedoch bestimmt morgen noch Zeit benötigen werden. Mit einem tollen Ausblick aus dem Fenster auf die New Regent Street lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

Cheers!

Januar 2019

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